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Schulpilot Wirtschaftsbildung

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Der Schulpilot Wirtschaftsbildung ist ein vierjähriges Schulentwicklungsprogramm der Stiftung für Wirtschaftsbildung für 60 Mittelschulen und AHS-Unterstufen in ganz Österreich. Ziel ist es, Wirtschaftsbildung nachhaltig im Schulalltag zu verankern und Schüler:innen durch den Erwerb von Wirtschafts-, Finanz- und Zukunftskompetenzen praxisnah auf ihr Leben nach der Schule vorzubereiten.

Die teilnehmenden Schulen erhielten ein umfassendes Begleitprogramm mit neu entwickelten Lernmaterialien, Fortbildungen, Schulentwicklungs- und Coachingangeboten sowie einer finanziellen Förderung von bis zu 5.000 Euro pro Schuljahr. Die Umsetzung erfolgte im Rahmen der Schulautonomie durch einen verstärkten Schwerpunkt im Fach Geografie und wirtschaftliche Bildung sowie durch fächerübergreifende Projektwochen oder schulautonome Unterrichtsangebote.

Begleitet wurde das Programm wissenschaftlich vom Institut für Höhere Studien (IHS) und der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Die gewonnenen Erkenntnisse, Materialien und Praxiserfahrungen bilden heute eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung der Wirtschaftsbildung in Österreich.

Welche Unterstützung erhielten die Schulen?

Die teilnehmenden Schulen wurden durch neu entwickelte Lernmaterialien, jährlichen Fortbildungen, Schulentwicklung, Vernetzung sowie eine finanzielle Förderung von bis zu 5.000 Euro pro Schuljahr bei der Umsetzung ihres Wirtschaftsbildungsschwerpunkts unterstützt.

Wie wurde Wirtschaftsbildung an den Schulen umgesetzt?

Im Mittelpunkt standen die stärkere Verankerung von Wirtschaftsbildung im Unterricht, die Umsetzung von Projektwochen oder eigenen Schwerpunktfächern sowie die Vernetzung von Schulen untereinander und mit der Wirtschaft.

Fächerübergreifender Projektunterricht Wirtschaftsbildung:

In dieser Vertiefung der Wirtschaftsbildung werden ca. 120 Stunden über drei Jahre (6., 7. und 8. Schulstufe) einem fächerübergreifenden Projektunterricht gewidmet. Die Umsetzung erfolgt ab der sechsten Schulstufe im Rahmen von Projektwochen (z. B. eine Woche pro Semester). Ein Wirtschaftsthema wird innerhalb von vier bis fünf Schulfächern behandelt und damit aus den unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Lehrer:innen arbeiten in Projektteams an der Umsetzung und werden dabei begleitet. Lernmaterialien für Lehrer:innen und Schüler:innen werden zur Verfügung gestellt. Grundlage bietet das Konzept Fächervernetzter Projektunterricht aufbauend auf dem neuen Lehrplan für GWB.

Themen:

  • MARKTWOCHE „Unternehmerische Ideen verwirklichen“ (6. Schulstufe) 
  • GELDWOCHE „Mit Geld umgehen“ (7. Schulstufe) 
  • BERUFSWEGE WOCHE „Berufswege finden“ (7. oder 8. Schulstufe) 
  • CHANGEMAKER-WOCHE „Nachhaltige wirtschaftliche Zusammenhänge erforschen“ (8.  Schulstufe)

Schulfach Wirtschaftsbildung:

In dieser Vertiefung der Wirtschaftsbildung führt die Schule ab der 6. Schulstufe für die teilnehmenden Klassen ein eigenes Schulfach ein, in dem Wirtschaftsbildung als Schwerpunkt vermittelt wird. Das neue Fach wird in der 6. und 7. Schulstufe mit einer Wochenstunde pro Jahr, und in der 8. Schulstufe mit ein bis zwei Wochenstunden pro Jahr als schulautonomes Pflichtfach in die Stundentafel aufgenommen und von schuleigenen Lehrkräften, die an der Fortbildung teilgenommen haben, unterrichtet. Lernmaterialien für Lehrer:innen und Schüler:innen werden zur Verfügung gestellt. Der Name des Faches wird von der Schule selbst bestimmt. Vorschläge seitens der Stiftung wären: „Nachhaltiges Wirtschaften“, „zukunftsorientiertes Wirtschaften“, „Wirtschaft & Nachhaltigkeit“, „innovatives Wirtschaften“ „Wirtschaft & Innovation“

Der Lehrplanentwurf für das Fach wurde entwickelt, mit den ersten Pilotschulen abgestimmt und den Bildungsdirektionen übermittelt. Hier zum Download.

Nachhaltige Verankerung der Wirtschaftsbildung an der Pilotschule

Nachdem im ersten Jahr mit den Klassen in der 5.Schulstufe gestartet wurde, startet die Schule auch im nächsten Schuljahr wieder mit einer Schulklasse. Nach 4 Jahren konnte die Vertiefung in alle Schulstufen eingeführt werden. Während die intensive Begleitung im Rahmen des Programmes Schulpilot Wirtschaftsbildung nach 4 Jahren beendet wird, bleiben Materialien, Fortbildung, Vernetzung mit Wirtschaftstreibenden und das Netzwerk mit den anderen Schulen als Unterstützung erhalten.

Wie schaut die Wirtschaftsbildung in der Praxis aus?

Wie lebendig und praxisnah Wirtschaftsbildung sein kann, zeigt das Beispiel der Mittelschule Münichholz in Steyr. Im Rahmen einer Marktwoche entwickelten alle Klassen der Schule eigene Produkte und Dienstleistungen und durchliefen dabei reale wirtschaftliche Prozesse: von der Ideenfindung über Planung und Kalkulation bis hin zur Umsetzung und Präsentation.

Von einer Projektwoche zur ganzjährigen Fahrradwerkstatt

Ein besonders beeindruckendes Projekt war die Radwerkstatt einer zweiten Klasse. Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass nur wenige Schüler:innen mit dem Fahrrad zur Schule kamen. Gemeinsam entwickelte die Klasse die Idee, eine Fahrradwerkstatt einzurichten. Durch Spenden aus der Region konnten rund 90 Fahrräder gesammelt werden, von denen viele von den Schüler:innen selbst repariert und wieder einsatzbereit gemacht wurden.

Das Ergebnis ging weit über die Projektwoche hinaus: Die Werkstatt wurde dauerhaft an der Schule etabliert, alle Schüler:innen der Klasse verfügen nun über ein verkehrstüchtiges Fahrrad, und aus dem Projekt entstanden weitere Ideen zur Verbesserung der Mobilität rund um den Schulstandort. Das Beispiel zeigt, wie Wirtschaftsbildung Eigeninitiative, Problemlösungskompetenz, Teamarbeit und gesellschaftliches Engagement fördert.

Eine Geldwoche “Let’s talk about money”

Einen anderen Weg zeigt die Projektwoche am Gymnasium Oberschützen. Mit der Klasse 3b wurde eine Woche lang erprobt, wie agiles Arbeiten und Wirtschaftsbildung zusammenwachsen können. Methodische Grundlage war Scrum4Schools: ein Ansatz, bei dem Schüler:innen in kleinen Schritten vorgehen,
regelmäßig reflektieren und ihre Arbeit anpassen – das fördert Selbstorganisation, Teamarbeit und die Bereitschaft, Neues auszuprobieren.
Die Woche startete mit dem Planspiel „Nervus Rerum“, das den finanziellen Spielraum als Faktor für ein gutes Leben thematisiert. Anschließend arbeiteten
die Schüler:innen in Gruppen an Themen wie Banken und Kredite, Konsumentscheidungen und soziale Ungleichheit. Ein Highlight war der Besuch bei der
Arbeiterkammer und einer lokalen Bankfiliale. Die Ergebnisse am Ende der Woche überzeugten: Neben Präsentationen entstanden Podcasts, Interviews und
eine Schülerzeitung.

Wirtschaftsbildung als eigene Fach

Seit Herbst 2022 gehört die MS Viktor Kaplan in Graz zu einer der ersten Schulen in ganz Österreich, die Wirtschaftsbildung als eigenes Schulfach eingeführt
haben. Einmal pro Woche haben die Schüler:innen die Möglichkeit, wirtschaftliche Themen zu vertiefen und zu festigen, die im regulären Unterricht zu kurz kommen. Was das in der Praxis bedeutet, zeigt sich an konkreten Projekten: Im vergangenen Schuljahr gründete die Klasse eine Junior Company und entwickelte von der Produktidee über das Verpackungsdesign bis hin zu Produktion und Verkauf ihre eigene „Krasse Kresse“-Schokolade. Ergänzt wurde der Unterricht durch Exkursionen – etwa ins WKÖ Talent-Center und zum Skills Activity Day, wo sich die Jugendlichen mit eigenen Talenten und Berufsbildern auseinandersetzten, oder in die benachbarte Andritz AG, wo sie eigene Metallwerkstücke fertigten.

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