Wirtschaft neu denken: Gemeinwohl-Ökonomie im Praxistest
Im Rahmen eines Workshops setzten sich die Schüler:innen mit unterschiedlichen Wirtschaftsmodellen auseinander. Nach einer Einführung zu Kapitalismus, Kommunismus und Gemeinwohl-Ökonomie sowie zur Frage, ob Geld Ziel oder Mittel wirtschaftlichen Handelns sein soll, schlüpften sie selbst in die Rollen verschiedener Akteur:innen der Modebranche. In einem Netzwerkspiel wurden Beziehungen und gegenseitige Abhängigkeiten im aktuellen Wirtschaftssystem sichtbar gemacht. Dabei standen Themen wie Fast Fashion, der Einfluss von Medien und Influencer:innen sowie die Bedeutung internationaler Lieferketten im Mittelpunkt. Anschließend wurde das Netzwerk neu gestaltet und anhand eines solidarisch ausgerichteten Wirtschaftssystems mit Gemeinwohlorientierung weitergedacht.
Danach sahen die Schüler:innen einen vom Klangforum Wien gestalteten Zeichentrickfilm. Dieser zeigte die Entwicklung eines familiengeführten Textilbetriebs in Europa zu einem international produzierenden Modekonzern und schließlich zu einem Social Business, in dem arbeitslose Menschen die Herstellung von Textilien erlernen und einer sinnstiftenden Tätigkeit nachgehen können.
In einer weiteren interaktiven Einheit lernten die Teilnehmer:innen die vier Wertespalten und fünf Stakeholdergruppen der Gemeinwohl-Bilanz kennen. Anhand von Beispielen aus echten Gemeinwohl-Berichten ordneten sie verschiedene Inhalte den jeweiligen Themenbereichen zu. Dazu zählten unter anderem bekannte Beispiele wie Sonnentor sowie eine andere Waldorfschule.
Zum Abschluss wurde ein weiterer Kurzfilm des Klangforum Wien gezeigt, der die Auswirkungen von Arbeitsbedingungen unter starkem Gewinndruck thematisierte. Der Film wurde von den Schüler:innen teilweise als verstörend wahrgenommen, führte aber zu einer intensiven Diskussion. Viele brachten Beispiele aus ihrem persönlichen Umfeld ein und berichteten von Menschen, die aufgrund belastender Arbeitsbedingungen gesundheitliche oder soziale Nachteile erfahren.
Die abschließende Fragerunde zeigte großes Interesse an weiterführenden Themen wie dem bedingungslosen Grundeinkommen oder den Herausforderungen einer Transformation des Wirtschaftssystems angesichts von Energiekrisen, Kriegen und gestörten Lieferketten. Für eine vertiefte Diskussion blieb kaum genügend Zeit. Der Workshop regte jedoch zum Nachdenken über wirtschaftliche Zusammenhänge an und weckte den Forschergeist, auch hinter scheinbar selbstverständliche Entwicklungen zu blicken.
Stimmen von Schüler:innen
„Vieles, was wir heute gemacht haben, habe ich irgendwie schon gewusst. Aber jetzt hat es sich zusammengefügt.“
„Mir ist noch viel mehr bewusst geworden, was ich als Konsumentin bewirken kann.“
„Es war sehr interessant, vor allem das Netzwerkspiel. Da sieht man, wie alles zusammenhängt.“